Panther, 88er und einiges mehr bei Kiel entdeckt

    • Panther, 88er und einiges mehr bei Kiel entdeckt



      Heikendorf | Der Panther ist aus dem Keller: Die komplizierte Bergung eines Weltkriegs-Panzers aus der Kellergarage eines Sammlers in Heikendorf bei Kiel hat der Bundeswehr einiges abverlangt. Rund neun Stunden brauchten knapp 20 Soldaten am Donnerstag, um den Panzer vom Typ Panther aus dem Haus zu holen und auf einen Tieflader zu schieben.

      Möglich wurde dies nur durch zwei Bergepanzer mit reichlich Zugkraft, zuvor eigens gebauten Holzrampen und schweißtreibender Arbeit bei hochsommerlichen Temperaturen. „Das ist zum Teil Millimeterarbeit“, sagte Bundeswehrsprecher Ulrich Burchardi. Bei einer Razzia am Mittwoch war der Panzer entdeckt worden - hinter Mauern, Zäunen und Stacheldraht. Er ist 40 Tonnen schwer und hat keine Ketten. Erst am Donnerstagabend schob ein Bergepanzer den Panther schließlich auf einen Tieflader. Mit ihm wurde er zum Truppenübungsplatz Putlos gebracht.

      Bürgermeister Alexander Orth hatte am Mittwoch noch von einer „Sammelleidenschaft“ des Mannes gesprochen, einen Tag später aber war er mit der Staatsanwaltschaft im Haus. „Die Ermittlungen sind voll gerechtfertigt“, sagte er.

      Was er gesehen hat, habe seine Erwartungen übertroffen, sagte er gegenüber shz.de. „Das ist ein ausgewachsener Panzer.“ Es handle sich auch nicht um das Gerät, mit dem der Besitzer seinerzeit durch den Ortsteil Kitzeberg gefahren sei. „Das war eher ein Kettenfahrzeug.“ Was genau er sonst in der Villa gesehen hat, dürfe er laut Staatsanwaltschaft nicht sagen.

      Nach Informationen von shz.de sind neben dem Panzerkampfwagen vom Typ „Panther“, eine V1-Rakete, eine Panzerabwehrkanone und Torpedos Teil der beschlagnahmten Sammlung gewesen. Am Donnerstag wurde eine Flak 88 (8,8 Zentimeter Kaliber) geborgen. Die Flugabwehrkanonen dieses Typs wurden von 1933 bis 1945 unter anderem von Krupp in Essen hergestellt.





      Bürgermeister Orth betonte, „insgesamt muss ich sagen: Oh, oh! Da hat vermutlich jemand Gesetze sehr weit ausgelegt, wenn nicht übergangen.“ Der Panther habe schon viele Jahre in dem Keller gestanden. „Ich habe dieses für einen Spleen eines älteren Herrn gehalten. Es sieht so aus, als ob es deutlich mehr ist.“

      Der Verdächtige ist Finanzmakler Klaus-Dieter F. (78), Sammler von Nazi-Kunstwerken und offenbar auch Weltkriegswaffen. „Ich gebe keine Auskunft“, sagte er am Mittwoch gegenüber shz.de.

      In dem Nobelviertel war die Leidenschaft von Klaus-Dieter F. für Weltkriegswaffen allseits bekannt. „Mit einem Schwimmwagen fuhr er manchmal auf die Förde hinaus“, sagt Nachbar Klaus Simon (86).

      Die Waffen sammelte Klaus-Dieter F. offenbar nicht allein aus Liebhaberei. „Einmal wurde eine ganze Ladung Torpedos abgeholt“, erzählt eine Anwohnerin. Der Käufer habe ein Hakenkreuz um den Hals getragen.

      Ins Visier der Polizei war der Senior durch Ermittlungen um wieder aufgetauchte Nazi-Kunst geraten. Fahnder des Berliner LKA hatten im Mai in Bad Dürkheim die sogenannten „Hitler-Pferde“ von NS-Bildhauer Josef Thorak beschlagnahmt. Die nach dem Krieg verschollenen Bronzefiguren sollen von 1998 bis 2000 im Garten von Klaus-Dieter F. gestanden haben. Man stattete ihm deshalb einen Besuch ab – und entdeckte neben der Skulptur „Die Wehrmacht“ von Arno Breker, die ihren Platz im Ehrenhof der neuen Reichskanzlei hatte, auch das Waffenarsenal aus dem Zweiten Weltkrieg.

      Der Rechtsanwalt des Sammlers bezeichnete den Einsatz als unverhältnismäßig. Die Skulptur sei eine Kopie. „Der Panzer ist demilitarisiert“, sagte Anwalt Peter Gramsch. Er will nun rechtliche Schritte gegen die Beschlagnahmung einleiten und auch Schadenersatz für seinen Mandanten fordern. „Ich gehe davon aus, dass der Panzer bei der Aktion beschädigt worden ist.“ Gleiches gelte für den Privatweg vor der Villa. Es gebe eine Bescheinigung des Kreises Plön vom 31. Oktober 2005, wonach der Panzer seine Kriegswaffeneigenschaft verloren habe. Gramsch bestätigte zudem, dass dem Sammler auch ein Flakgeschütz gehört - ebenfalls demilitarisiert.

      Der Sammler hatte dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ bereits im Mai berichtet, er habe eine große Sammlung („aber keine Kunst“) in einem unterirdischen Bunker auf seinem Grundstück. Dort stehe der Wehrmachtspanzer („aber kein kompletter“), den er irgendwann einmal als Schrott in England gekauft habe. Alle Waffen habe er ordnungsgemäß angemeldet.






      Durch die Macht der Wahrheit habe ich als Lebender das Universum erobert.